Make-up für ein Fotoshooting: Blitz, Tageslicht und was ans Set gehört

Wenn du dich schon einmal vor dem Spiegel perfekt geschminkt hast und auf den Fotos blass und konturlos aussahst, kennst du den Grund, warum Make-up für ein Fotoshooting eine eigene Disziplin ist. Die Kamera sieht nicht wie das menschliche Auge: Sie flacht die Konturen des Gesichts ab, schwächt Farben ab und verstärkt jeden Glanz. Ich schminke seit Jahren Editorial-Shootings, Model-Sedcards und Personal-Branding-Fotos in Medellín, und das Erste, was ich jeder Kundin erkläre, ist: Foto-Make-up wird für das Objektiv aufgebaut, nicht für den Spiegel. Hier erzähle ich dir, wie sich die Arbeit zwischen Blitzlicht und Tageslicht unterscheidet und was du ans Set mitbringen solltest.
Warum siehst du vor der Kamera anders aus? Erstens, weil ein Foto dein dreidimensionales Gesicht in ein flaches Bild verwandelt: Die natürlichen Schatten, die Nase, Wangenknochen und Kinnlinie formen, gehen verloren, und ohne gut gesetztes Contouring und Rouge wirkt das Gesicht wie ausradiert. Zweitens, weil die Kamera die Farbintensität abschwächt: Der Lippenstift, der im Spiegel perfekt aussieht, wirkt auf dem fertigen Bild deutlich blasser. Deshalb trage ich beim Schminken für Fotos Rouge und Contouring kräftiger auf, als ich es je für einen geselligen Anlass tun würde. In natura fühlt es sich nach zu viel an; auf dem fertigen Bild sitzt es genau richtig.
Der Blitz ist der große Verräter des Make-ups. Der berüchtigte Flashback — dieses geisterhaft weiße Gesicht auf Fotos mit direktem Blitz — entsteht durch Inhaltsstoffe, die Licht reflektieren: Sonnenschutz mit mineralischen Filtern und HD-Puder mit viel Silica. Für ein Studioshooting mit Blitzanlagen verzichte ich auf SPF in der Foundation, trage Puder in hauchdünnen Schichten auf und setze auf matte oder satinierte Finishes, niemals auf dick aufgetragenen Highlighter im ganzen Gesicht. Ein Trick, den ich meinen Kundinnen beibringe: Mach vor dem Losfahren ein Blitz-Selfie in einem dunklen Raum. Erscheinen T-Zone oder Gesichtsmitte weiß, muss Produkt runter, bevor du am Set ankommst.
Tageslicht ist gnädiger, aber auch ehrlicher. Bei einem Außenshooting in Medellín — zur goldenen Stunde auf einem Rooftop in El Poblado oder in einem Garten in Llanogrande — zeigt die Sonne die Haut, wie sie wirklich ist: jede Produktschicht, jede trockene Stelle, jeden Übergang am Hals. Für draußen arbeite ich mit Cremeformeln, leichten Foundations mit natürlichem Haut-Finish und sehr wenig Puder, fixiert wird nur die T-Zone. Das Ergebnis wirkt vor der Kamera frisch und lebendig. Bei unserer Luftfeuchtigkeit habe ich allerdings immer Blotting Papers am Set dabei: Zwischen schönem natürlichem Glow und verschwitztem Gesicht liegen etwa zehn Minuten.
Moderne Kameras erfassen die Haut in einer Auflösung, die das Auge nie erreicht, und dann regiert die Textur. Ein Make-up, das in natura glatt aussieht, kann beim Heranzoomen betonte Poren, Puder im Flaum und Risse in den Mimikfältchen zeigen. Meine Verteidigung beginnt vor der Foundation: Haut, die schon Tage vorher gepeelt und mit Feuchtigkeit versorgt wurde, Primer nur dort, wo nötig, und Foundation in dünnen Schichten mit einem feuchten Schwamm eingedrückt statt verzogen. Weniger Produkt, gut platziert, fotografiert immer besser als volle Deckkraft. Und Concealer nur dort, wo er wirklich gebraucht wird: Nichts lässt ein hochauflösendes Foto schneller altern als dicke Schichten unter den Augen.
Manche Details belohnt die Kamera großzügig: gebürstete, definierte Augenbrauen, weil sie das Gesicht rahmen, wenn das Licht alles andere abflacht; Wimpern mit guter Mascara oder Einzelwimpern, die den Blick aus jedem Winkel öffnen; und Lippen mit dezentem Lipliner, einen halben Ton dunkler als der Lippenstift, damit sie im Bild nicht verschwinden. Wähle deine Farben einen halben Schritt intensiver, als du sie im Alltag tragen würdest. Was ich bei Shootings vermeide: losen Glitzer, der das Licht unberechenbar reflektiert, und Trends, die die Kundin noch nie getragen hat. Der Tag des Fotoshootings ist nicht der Moment für eine Look-Premiere.
Was ans Set gehört: der Lippenstift, den du trägst, zum Nachziehen, ein Kompaktpuder, Blotting Papers — in der Drogerie rund $15.000, und sie retten ganze Shootings —, Wattestäbchen gegen Mascara-Flecken, ein Strohhalm, damit du Wasser trinken kannst, ohne die Lippen zu ruinieren, und ein Hemd mit Knopfleiste, damit du dich umziehen kannst, ohne Frisur oder Foundation zu zerstören. Komm mit sauberer, gut durchfeuchteter Haut, und ganz wichtig: Experimentiere in der Woche davor weder mit neuen Produkten noch mit Gesichtsbehandlungen. Eine Hautirritation lässt sich nicht so leicht wegretuschieren, wie man denkt. Bei langen Shootings gehören auch Wasser und ein kleiner Snack ins Kit.
Nach so vielen Fotoshootings in Medellín ist mein bester Rat, dass Visagistin und Fotograf als Team arbeiten: Ich frage immer, mit welchem Licht gearbeitet wird, ob direkter Blitz oder Diffusoren zum Einsatz kommen, und passe das Make-up für das Fotoshooting an diese Antwort an, noch bevor ich meinen Koffer öffne. Wenn du eine Sedcard, Personal-Branding-Fotos, ein Babybauch-Shooting oder eine Kampagne vorbereitest und mit einem Make-up ans Set kommen willst, das für die Kamera und für das Klima unserer Stadt gedacht ist, schreib mir. Ich bleibe gern das ganze Shooting über dabei und übernehme die Retuschen zwischen den Aufnahmen: Vor der Kamera sieht man diese Sorgfalt auf jedem Bild.
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